Alter ist keine Krankheit

Alter ist keine Krankheit
Foto: Huf und Pfote

Pferde werden durch ausgewogene Fütterung, artgerechte Haltung und Fürsorge immer älter. Sie haben besondere Ansprüche, bedürfen mehr Aufmerksamkeit und einer guten Pflege, um bis ins hohe Alter gesund und fit zu bleiben.

Fütterungsfehler, Überlastungen und Stress lassen Pferde früher altern. Sie begünstigen besonders chronische Erkrankungen des Bewegungs-, Atmungs- und Verdauungsapparates.

Wann ist ein Pferd wirklich alt?

Die Lebenserwartung von Pferden ist recht unterschiedlich und dabei auch von der Rasse abhängig. Robustpferde bzw. -ponys können bis zu 40 Jahre alt werden. Im Vergleich dazu haben Warmblutpferde eine durchschnittlich geringere Lebenserwartung, gefolgt von den Kaltblutpferde-Rassen.

Doch noch wichtiger als das Alter in Zahlen ist die körperliche Gesundheit. Denn Alter bedeutet nicht zwangsläufig krank und gebrechlich. Durch angepasste Fütterung, Bewegung und Achtsamkeit lassen sich altersbedingte Erkrankungen abmildern oder sogar verhindern.

Welche Veränderungen zeigen sich?

Nicht nur äußerlich macht sich Alter bemerkbar, auch im Inneren finden Veränderungen statt. Organe wie Herz, Lunge, Leber, Nieren, Magen und Darm lassen in ihrer Funktion nach und auch das Hormon- bzw. Immunsystem verändert sich. Knochen werden spröde, Muskeln bauen sich ab, Gelenke, Sehnen und Bändern verlieren an Elastizität. Der Pferdesenior wird anfälliger für Erkrankungen und braucht nach Krankheit oder Verletzung länger, um sich zu erholen.

Typische äußerliche Anzeichen für Alterung sind

  • Muskelabbau, besonders am Rücken mit hervorstehendem Widerrist
  • graue Kopfhaare
  • langsameres Fressen, schlechter Appetit, Kauprobleme (Heuröllchen) und schlechte Futterverwertung teils mit Gewichtsverlust
  • Lahmheiten oder Bewegungseinschränkungen mit Steifheit, Bewegungsunlust, Arthrose
  • Haut-, Fell- und Hufprobleme, wie Fellwechselstörungen, Allergien, brüchiges Hufhorn
  • Wesensveränderungen in Form von Müdigkeit, Schreckhaftigkeit und Angst

Kraftfutter – die Menge macht’s

Gerade bei alten Pferden herrscht der Irrglaube vor, über die Menge des Kraftfutters das Gewicht zu steuern. Doch das Gegenteil tritt ein. Um das Mehr an Kraftfutter zu verdauen und zu verstoffwechseln, verbraucht der Organismus viel Energie, die ihm wieder an anderer Stelle fehlt, um das Gewicht zu halten. Ein nicht enden wollender Teufelskreis.

Möchten Sie nicht auf Kraftfutter verzichten, wählen Sie ein hochverdauliches mit moderatem Energiegehalt, das den Organismus entlastet. Als Energiequelle ist Hafer das für Pferde am besten geeignete Getreide. Er wird mit über 80 % bereits im Dünndarm verdaut und belastet den nachfolgenden Dickdarm nicht mit unabgebauter Stärke. Dies führt zu weniger Fermentationsstörungen und verschiebt die Darmflora nicht. Da alte Pferde bereits mit Zahnverlust und eingeschränkter Mahlfunktion der Zähne zu kämpfen haben, bietet sich gequetschter Hafer an. Idealerweise wird vor der Fütterung immer ausreichend Heu angeboten und die Haferration täglich in mehrere Fütterungen aufgeteilt.

Heu als Grundfuttermittel

Heu ist das Grundfuttermittel für Pferde und sollte immer den größten Anteil der Raufutter-Fütterung ausmachen. Pferde brauchen es, um ihr Kaubedürfnis zu befriedigen und genug Speichel für ihren empfindlichen Magen zu produzieren. Das Pferd ist darauf spezialisiert, über viele Stunden verteilt immer wieder kleine Mengen rohfaserreiche Nahrung wie Heu aufzunehmen, um eine stabile Verdauung zu sichern und den Darm bzw. das Immunsystem dauerhaft gesund zu halten. Alles Aspekte, die gerade für Pferdesenioren gelten.

Stellen Sie in erster Linie den Raufutterbedarf über qualitativ einwandfreies Heu in ausreichender Menge und ohne Fresspausen sicher. Kann Ihr altes Pferd nur noch ungenügend Kauen oder ist altersbedingt eine erhöhte Proteinzufuhr notwendig, füttern Sie früh geschnittenes Heu (1. Schnitt), das ist weicher und kann einfacher gefressen werden. Zusätzlich bieten sich eingeweichte Heucobs an.

Nährstoffbedarf anpassen

Die Nährstoffbedürfnisse ändern sich mit zunehmendem Alter. Der Energiebedarf ist in der Regel niedriger, der Bedarf an Vitalstoffen wie essentiellen Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente steigt. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass eine überhöhte Calcium-Zufuhr über alle Futtermittel hinweg vermieden wird und ein ausgeglichenes Calcium-Phosphor-Verhältnis vorherrscht.

Entscheidend ist die Fütterung eines anpassten Mineralfutters. Nur so kann die Bereitstellung aller notwendigen Nährstoffe sichergestellt werden.

Darmgesundheit & Futterverwertung

Darmgesundheit unterstützt eine stabile Verdauung und ein leistungsfähiges Immunsystem, um Altersbeschwerden vorzugreifen. Ist das Milieu im Darm in Ordnung, können die guten Darmbakterien eine viel größere Menge an Nährstoffen aus dem Futter aufschließen, Vitamine und andere positive Wirkstoffe produzieren und dem Organismus zur Verfügung stellen.

Daraufhin ist die Verwertung von Heu wesentlich effektiver und auch die über das Kraftfutter zugeführte Energie kann optimal ausgenutzt werden. Durch die bessere Verwertung und der damit verbundenen Nährstoffversorgung die Kraftfuttermenge reduziert und der Darm weiter entlastet werden. Zugleich bestehen gute Chancen, dass Ihr Pferd wieder an Gewicht zulegt.

Wasser das Lebenselixier

Wasser ist bedeutender Bestandteil aller Körperflüssigkeiten, wie beispielsweise Blutplasma, Lymphe, Verdauungssekrete, Urin, Schweiß und Tränenflüssigkeit. Es ist unverzichtbar für alle Körperstoffwechsel und die so wichtige Thermoregulation. Ein Teil des täglichen Bedarfs wird über das Futter aufgenommen, der größte Anteil muss jedoch über das Trinkwasser abgedeckt werden.

Pferde sollte ständigen Zugang zu frischem und sauberen Wasser haben. Wird nicht genügend getrunken, kann das zu Austrocknung, Verdauungs- und Herz-Kreislaufproblemen führen. Zusätzlich können eingeweichte Heucobs, Mash oder lauwarmer Tee den Flüssigkeitshaushalt unterstützen.

Körper & Geist

Nehmen Sie das Wort „Ruhestand“ nicht zu wörtlich. Alte Pferde brauchen regelmäßige und dem Gesundheitszustand angepasste Bewegung, einschließlich täglichen Auslauf. Das hält körperlich und geistig fit. Zudem wirkt es Muskelabbau entgegen, hält Sehnen, Bänder, Gelenke elastisch und die Darmmotorik bleibt in Schwung.

Alte Pferde mögen wenig Veränderung in ihrem Leben. Eine gewohnte und entspannte Umgebung mit einem geregelten Tagesablauf gibt Sicherheit. Ermöglichen Sie eine artgerechte Haltung in einer stressfreien Umgebung mit viel Sozialkontakt. Das fördert Ausgeglichenheit und ein gesundes Leben.

Achten Sie sensibel auf kleinste Veränderungen im Wesen und die des Körpers, so können Sie rechtzeitig unterstützen.

Heilkräuter & Co.

Heilkräuter und natürliche Nahrungsergänzungen liefern wichtige Stoffe, unterstützen die natürlichen Abwehrkräfte, den Verdauungs- bzw. Bewegungsapparat und die verschiedenen Körperstoffwechsel. Sie verbessern die Durchblutung von Herz und Muskulatur und die Funktion von Leber und Nieren.

Zur inneren Unterstützung alter Pferde haben sich in meiner Praxis vor allem geriatrischen Ergänzungen bewährt, wie Effektive Mikroorganismen (EM), Bierhefe (ohne Treber), Mariendistel, Weißdorn, Ginkgo, Löwenzahn, Brennnessel, Ingwer, Grünlippmuschel, Leinsamen, Meerrettich, Teufelskralle und Hagebutte.

Akupunktur & Homöopathie

Die alternative Heilkunde kann das Allgemeinbefinden Ihres Seniors weiter verbessern. Nicht nur die Krankheit mit seinen Symptomen wird betrachtet, sondern das Individuum als Ganzes und dessen Ungleichgewicht. Die Akupunktur und Homöopathie sind hervorragende Möglichkeiten, das innere und äußere Gleichgewicht wiederherstellen.

Meine Erfahrung ist, dass besonders chronische Krankheiten wirkungsvoll und nachhaltig unterstützt werden können. Auch während einer schulmedizinischen Behandlung lohnt es, alternative Heilmethoden in Betracht zu ziehen.

Gesundheit als beste Vorsorge

Ermöglichen Sie Ihrem Pferd eine gesunde und artgerechte Ernährung, angepasst an Alter, Rasse, Leistung und körperliche Befindlichkeiten. Zudem ist eine regelmäßige Zahnkontrolle und eine gute Hufpflege wichtig. Achten Sie auf eine regelmäßige fachgerechte Hufbearbeitung und reagieren Sie zügig auf Veränderungen.

Gesundheit ists die beste Vorsorge damit Ihr Pferd bis ins hohe Alter gesund und munter bleibt. Lassen Sie es regelmäßig durchchecken, um Befindlichkeiten zu minimieren und Erkrankungen vorzubeugen.

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Jetzt ist die beste Zeit für einen Gesundheits-Check-up. Ob Leistungssportler oder Freizeitpartner, präventive Begutachtungen in Form von regelmäßigen Check-ups helfen Ungleichgewichte frühzeitig zu erkennen, und zwar bevor sichtbare Symptome auftreten. So lassen sich spätere Erkrankungen minimieren und Krankheiten haben es einfach schwer sich zu entwickeln und Fuß zu fassen.

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