Anweiden, so gehts richtig

Anweiden, so gehts richtig
Foto: Sabrina Wendl on Unsplash

Der Start der Weidesaison steht bevor, für viele die schönste Zeit im Jahr. Pferde die gut vorbereitet sind, starten von Anfang an gut in die Weidezeit. Doch nicht immer verläuft die Gewöhnung an das saftig grüne Gras unproblematisch.

Pferde reagieren empfindlich auf kleinste Futterveränderungen. Sie sind auf nährstoffarmes und strukturiertes Futter ausgerichtet, das sie permanent zu sich nehmen können. Ein Wechsel jeglicher Art, stellt höchste Anforderungen an ihre Verdauung.

Was macht das Grün so gefährlich?

Im Gegensatz zur alleinigen Fütterung von Heu, hat junges Gras einen wesentlich höheren Gehalt an Eiweißen (Proteinen) und Kohlehydraten. Bekommt der Darm während der Umstellung zu wenig Zeit, kann das zu unterschiedlichen Problemen führen.

Junges Gras braucht zum Wachsen viel Energie. Bei bestimmten Wetterverhältnissen wird vermehrt Fruktan in der Graspflanze eingespeichert. Ausschlaggebende Einflussfaktoren sind Licht, Temperatur und Feuchtigkeit während der Wachstumsphase. Dabei führen höhere Temperaturen zu niedrigen und niedrige Temperaturen zu höheren Fruktangehalten. Fruktane sind Speicherkohlenhydrate bzw. langkettige Zuckerverbindungen, die den pH-Wert im Darm verändern und wichtige Mikroorganismen absterben lassen.

Ein derart verändertes Bakterienmilieu lässt schnell Endotoxine (Giftstoffe) entstehen, die eine Hufreheerkrankung begünstigen. Hufrehe ist eine nichteitrige Entzündung der Huflederhaut, die für das Pferd große Schmerzen und gravierende gesundheitliche Folgen hat. Zugleich kann durch Fehlgärungen im Darm schnell eine lebensbedrohliche Kolik entstehen. Beide Erkrankungen sind immer tierärztliche Notfälle und bedürfen einer sofortigen Behandlung.

Junges Gras belastet zusätzlich die Stoffwechsel von Leber und Niere. Normalerweise wird das anfallende Abfallprodukt Ammoniak von der Leber in Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Ist die Proteinaufnahme zu hoch, wird der Ablauf massiv gestört und das giftige Ammoniak gelangt ungefiltert ins Blut bzw. den Darm. Es zeigen sich unterschiedliche Verdauungsbeschwerden, angelaufene Beine oder Mauke. Betroffene Pferde haben oftmals ein verändertes Verhalten, sind matt, aggressiv oder wenig leistungsfähig.

Breiiger Kot in Form von Durchfall ist ein erstes Alarmzeichen, der Organismus möchte sich von etwas entledigen bzw. reinigen. In der Regel ist die Grasmenge zu viel für das jeweilige Pferd und die Weidezeit muss reduziert werden. Hat sich die Darmflora wieder stabilisiert und der Kot gefestigt, kann unter strenger Kontrolle die Weidezeit langsam verlängert werden. Gleiches gilt bei Kotwasser. Hier ist der pH-Wert im Darm zu sauer und das Wasser im Nahrungsbrei kann im Dickdarm nicht mehr resorbiert werden.

hilfreiche Tipps von Heu auf Gras

Orientieren sie sich an den Befindlichkeiten ihres Pferdes. Stark gefährdet sind besonders diejenigen, die bereits an Hufrehe erkrankt sind oder an einer Krankheit wie dem Equine Metabolisches Syndrom (EMS) oder Equines Cushing Syndrom (ECS) leiden. Aber auch Allergiker, übergewichtige, stoffwechsel- und verdauungslabile oder Lungen kranke Pferde gehören zur Risikogruppe.

Wichtig von Anfang an, lassen sie den Darm langsam an das frische Grün gewöhnen. Mit der Grasaufnahme steht die Darmflora plötzlich vor ganz anderen Aufgaben als bei strukturreichem Heu. Damit der Wechsel von Heu auf Gras unproblematisch ablaufen kann, braucht der Darm ausreichend Zeit sich der Futterumstellung anzupassen.

Sie können ihrem Pferd die Umstellung von Heu auf Gras erleichtern. Lassen sie ihr Pferd vor und idealerweise auch während des Weidegangs ausreichend Heu fressen, das verringert die Gier aufs Gras und beugt Verdauungsproblemen vor. Steigern sie langsam die Grasmenge und Weidezeit, beobachten sie ihr Pferd genau. Bei aufkommenden Schwierigkeiten sollten sie die Grasaufnahme sofort reduzieren und die Anweidezeit nach hinten verlängern.

Um den empfindlichen Verdauungstrakt zu entlasten, unterstützen sie ihr Pferd jetzt schon vor der Koppelzeit, jedoch spätestens beim Anweiden und idealerweise auch während der gesamten Weidezeit.

Anis-Kümmel-Fenchel

  • das wirkungsvolle Kräuter-Trio zur Magen- und Darmunterstützung
  • Anis ist besonders aromatisch, hat blähtreibende, krampflösende bzw. entspannende Wirkung und wird gern bei Aufgasung bzw. Blähbauch (Meteorismus), Krämpfen und Kolik gefüttert
  • Kümmel lindert Krämpfe, hemmt die Gasbildung und ist ideal bei Futterumstellungen, Völlegefühl, Stress, Kolik oder Magen- bzw. Darmreizungen
  • Fenchel ist der leckere Krampflöser, reguliert die Verdauung und wirkt äußerst beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt, sowohl im Akutfall als auch zur Vorbeugung bei Krämpfen, Blähungen, Kolik und Magenschleimhautentzündungen (Gastritis)

Bitterkräuter

  • sind Kräuter mit Bitterstoffen, die anregend auf die Sekretion der Verdauungssäfte wirken, ohne die eine gute Verdauung nicht möglich ist
  • sie sind blähungstreibend und fördern die Darmflora
  • sie helfen, energie- und eiweißreiches Gras besser zu verdauen und sind somit unentbehrlich in der Anweidephase
  • typische Bitterkräuter sind Enzian, Wermut und Löwenzahn

Gerbstoffkräuter

  • sind adstringierenden (zusammenziehende) Kräuter, die zugleich reizmildernd, entzündungs- und sekretionshemmend wirken
  • die enthaltenen Gerbstoffe können die Darmschleimhaut abdichten und bei schwerwiegenden Verdauungsproblemen helfen
  • sie finden ihren Einsatz bei einer durchlässigen Darmschleimhaut und mangelhafte Resorption des Darmwassers, die sich in Form von Kotwasser zeigt – oftmals verursacht durch Fruktane und Pilzgifte (Endophyten) im Gras
  • typische Gerbstoffkräuter sind Eichenrinde, Brombeerblätter, Himbeere und Gänsefingerkraut

Leber & Nieren-Kräuter

  • sie helfen die Darmgesundheit zu pflegen und die Stoffwechsel von Leber & Niere zu unterstützen
  • sie können die Ausleitung von Umweltgiften, Pestiziden, Schwermetalle und Pilzgiften begünstigen
  • typische Leber & Nieren-Kräuter sind Artischocke, Rosmarin, Schafgarbe, Löwenzahn, Mariendistel, Birke, Brennnessel und Goldrute

Effektive Mikroorganismen (EM)

  • sie beinhalten wertvolle Stoffwechselprodukte (Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente), die dazu beitragen den pH-Wert im Darm zu regulieren und eine stabile Darmflora zu schaffen
  • sie machen das Anweiden und die Grasaufnahme während der gesamten Weidezeit verträglicher
  • Effektiven Mikroorganismen (EM) zusätzlich mit Pflanzenkohle (Karbonfutter) gefüttert, können kurzfristig Schadstoffe bzw. Keime binden und unterstützen so die Behandlung von Durchfall, Kotwasser und Kolik

Zeolith

  • als mikroaktivierte Klinoptilolith
  • es unterstützt eine gesunde Darmflora und pflegt die Darmschleimhaut
  • es hat eine außerordentliche Absorptionsfähigkeit zur Bindung von Toxinen, Schwermetallen und anderen Schadstoffen, um diese aus dem Organismus zu transportieren
  • es begünstigt den Säuren-Basenhaushalt in allen Stresssituationen und während bzw. nach besonderen Belastungen, vor allem bei Futterumstellungen

Legen sie nicht einfach los

Heilkräuter können unerwünschte Wirkungen haben und gefährlich für ihr Pferd sein. Die Phytotherapie gehört immer in die Hände eines erfahrenen Therapeuten. Liegen Organschädigungen bzw. Krankheiten vor, ist nur er in der Lage mögliche Mehrbelastungen abzuschätzen und diesen entgegen zu wirken. Lassen sie sich vor Fütterung fachkundig beraten.

Gemäß Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln (ADMR) gehören bestimmte Kräuter zu den verbotenen Substanzen. Sind sie Turnierreiter, dann sollten sie die empfohlene 48 Stunden-Karenzzeit einhalten bzw. die Gabe rechtzeitig absetzen.

Sie brauchen Unterstützung?

Lassen sie sich bei der Ernährung ihres Pferdes beraten. Informieren sie sich und nutzen sie die Möglichkeit eines ersten kostenfreien Telefongesprächs.