Heu – der Wärmetreibstoff

Heu - der Wärmetreibstoff
Foto: Sheri Hooley on Unsplash

Es ist die Zeit der kalten Tage und frostigen Nächte. Winterliche Temperaturen machen gesunden Pferden in der Regel nichts aus. Dennoch gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.

Heu – der Wärmetreibstoff

Wärme bzw. Wärmeenergie entsteht während des Verdauungsstoffwechsels. Dabei wird die zugeführte Nahrung verwertet, um u. a. Nährstoffe, Vitamine und Energie zu gewinnen. Hier spielt Heu die wichtigste Rolle, denn es ist der Wärmetreibstoff, der den Pferdedarm und den Organismus in Schwung hält.

Hauptort der Verdauung beim Pferd ist der Dickdarm. Hier werden Heufasern verdaut und die notwendige Energie gewonnen. Voraussetzung hierfür ist ein gutes Darmmilieu mit einer starken Darmschleimhaut zum Schutz vor Erregern, Giften und übermäßigen Befall mit Darmparasiten. Eine optimale Verdauung bedeutet gleichzeitig eine bessere Bioverfügbarkeit aller zugeführten Nährstoffe und letztendlich auch eine gute Futterverwertung.

körpereigene Wärmeproduktion

Um die körpereigene Wärmeproduktion am Laufen zu halten, benötigt der Darm eine permanente Zufuhr von Heu. Ist die Verdauung störungsfrei, kann das Pferd mit der erzeugten Wärme seine Kerntemperatur im Innern konstant halten und wechselnde Temperaturunterschiede von außen problemlos verkraften – die sogenannte Thermoregulation. Wird die Kerntemperatur jedoch über- oder unterschritten, kann das gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.

Eine gut funktionierende Thermoregulation ist abhängig von Rasse, Alter und Gesundheitszustand. Voll- und Warmblüter sind gerade in der kalten Jahreszeit wegen ihrer größeren Körperoberfläche und der dadurch bedingten Wärmeabstrahlung gegenüber kompakten Robustpferderassen im Nachteil. Gleichsam Pferde, die geschoren sind oder nur wenig schützendes Winterfell entwickeln. Je schlechter die Thermoregulation, desto höher der Energie- und Nährstoffbedarf.

Energiebedarf primär mit Heu decken

Decken sie in der kalten Jahreszeit den erhöhten Energiebedarf in erster Linie über eine entsprechend höhere Ration gutes Heu ab. Heu ist mit nichts zu ersetzen, es ist das Grundfuttermittel für Pferde und sollte immer den größten Anteil der Raufutter-Fütterung ausmachen.

Pferde brauchen Heu, um ihr Kaubedürfnis zu befriedigen und genug Speichel für ihrem empfindlichen Magen zu produzieren. Es ist darauf spezialisiert, über viele Stunden verteilt immer wieder kleine Mengen rohfaserreiche Nahrung wie Heu aufzunehmen, um eine stabile Verdauung zu sichern und den Darm bzw. das Immunsystem dauerhaft gesund zu halten.

Hafer als zusätzliche Energiequelle

Kraftfutter ist für den empfindlichen Pferdedarm eine hohe Belastung. Geringe Mengen kann der Darm in den meisten Fällen noch gut kompensieren. Werden zu große Mengen und auch noch das falsche Kraftfutter gefüttert, gerät der Darm aus dem Gleichgewicht.

Mais, Gerste, Dinkel oder gar Müslimischungen verursachen oft Fermentationsstörungen und schränken die Darmfunktion ein. Gleichzeitig müssen die Entgiftungskanäle Leber und Niere Höchstarbeit leisten und werden unnötig belastet. Letztendlich verschiebt sich das Darmmileu, negative Mikroorganismen gewinnen die Überhand, es kommt zu Verdauungsproblemen. Zugleich können dem Organismus die zugeführten Nährstoffe nicht mehr richtig bereitgestellt werden. Das Pferd fühlt schlapp und müde, es fehlt die Kraft und Ausdauer für das Training.

Je nach Heuqualität, Haltungsform, Alter, Rasse und Nutzung kann ein erhöhter Energiebedarf mit dem passenden Getreide und einem hochwertigen Öl abgedeckt werden. Wichtig ist eine gute Verdaulichkeit und eine dem Bedarf angepasste Menge. Andernfalls belastet es den Verdauungsstoffwechsel mehr als dass es ihn unterstützt.

Für Pferde ist Hafer am besten verträglich. Er wird zum größten Teil bereits im Dünndarm verdaut und strapaziert den nachfolgenden Dickdarm nicht mit unabgebauter Stärke. Dabei sollte die Zufütterung immer der tatsächlichen Arbeitsleistung des Pferdes entsprechen.

Grundsätzlich gilt: ist das Darmmilieu im Gleichgewicht und läuft die Verdauung reibungslos, wird das Futter wesentlich besser verwertet und sie benötigen deutlich weniger energiereiches Kraftfutter oder können ganz darauf verzichten.

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