Mönchspfeffer – wenn Hormone verrückt spielen

Mönchspfeffer - wenn Hormone verrückt spielen
Foto: Kerstin Riemer, Pixabay

Verhaltensauffälligkeiten belasten die Tier-Mensch-Beziehung

Manchmal liegt die Ursache einfach an der fehlenden artgerechten Haltung, einer ungewohnten Situation, mangelnder Bewegung bzw. Auslastung oder falscher Fütterung.

Hinter verändertem Verhalten können sich auch hormonelle Störungen verbergen. Ein aus dem Gleichgewicht geratener Hormonhaushalt lässt Tiere nervös, gestresst, unruhig und aggressiv werden. Das Wohlbefinden ist stark beeinträchtigt und macht den Umgang untereinander recht schwer.

Schon im Mittelalter

wurde Mönchspfeffer (Agnus castus) oder auch Keuschlamm bzw. Keuschbaum genannt, von Mönchen zur Hormonregulierung angewendet. Sie wussten seinen Zweck zu nutzen, wenn es darum ging, den Geschlechtstrieb und die Liebeslust einzudämmen. So konnten sie leichter ihr keusches Leben führen.

In der Tierheilkunde

Was früher das Mönchsleben entspannter machte, ist heute eine wirkungsvolle und natürliche Hilfe für Tiere, die unter hormonellen Störungen und deren Auswirkungen leiden. Mönchspfeffer kann hier das erste Mittel der Wahl sein. Seine beruhigende und stimmungsausgleichende Wirkung hat schon vielen Tieren helfen können.

Mönchspfeffer ist angezeigt, wenn Ihre Stute oder Hündin während der Rosse bzw. Läufigkeit Verhaltens- und Wesensänderungen aufzeigt oder diese zu lange und intensiv andauert. Typisch ist ein zickiges und widersetzliche Verhalten im Umgang. Jedoch können Tiere ohne merkliche Anzeichen auch unter Hormonungleichgewichten leiden.

Das andere Geschlecht macht ebenfalls Schwierigkeiten, wenn die Hormone verrücktspielen. Hengste, Wallache und Rüden sind dann recht dominant und aggressiv gegenüber ihren Artgenossen. Den Umgang mit ihnen macht es uns schwer und manchmal auch gefährlich.

Inhaltsstoffe & Wirkung

Mönchspfefferfrüchte (Samen) sind reich an Inhaltsstoffen. Durch die enthaltenen ätherischen Öle und Gerbstoffe haben sie eine antibakterielle und antimikrobielle Wirkung. Zudem wirkt der Mix aus ätherischen Ölen, Bitterstoffe und Flavonoide beruhigend, entzündungshemmend, krampflösend und fördert die Durchblutung. Er kann den Hormonstoffwechsel regulieren und helfen, dass sich Ihr Tier wohler fühlt und sich das Verhalten wieder normalisiert.

Von der Fütterung können Patienten mit Cushing Syndrom profitieren. Liegt eine tumoröse Veränderung der Hirnanhangsdrüse vor, kann der ACTH- und Cortisolwert krankhaft ansteigen. Mönchspfeffer kann ausgleichend wirken und den Allgemeinzustand bessern. Weiter kann er das Fell zum Positiven verändern und Ihr Tier schwitzt weniger.

Mönchspfeffer wirkt zudem kompensierend bei EMS-kranken Pferden (Equines Metabolisches Syndrom) oder Hündinnen mit Scheinträchtigkeit. Will Ihre Stute oder Hündin nicht tragend werden, manchmal ermöglicht Mönchspfeffer sogar den Nachwuchs. Gleichzeitig kann er eine gute Abhilfe bei Dauerrosse oder Scheinträchtigkeit sein.

Mönchspfeffer auf einen Blick

Mönchspfeffer kann

  • Hormonungleichgewichte regulieren
  • entkrampfend und schmerzlindernd wirken
  • den Zyklus stabilisieren
  • beruhigen und psychisch ausgleichen
  • die Fruchtbarkeit verbessernd
  • die Milchproduktion anregend oder auch die Milch zurückbilden

Das sollten Sie wissen

In der Fütterung werden die Samen, die Früchte des Mönchpfeffers, verwendet. Sie sollten die Früchte mit dem Mörser zerstoßen oder geschrotet anbieten.

Es kann sein, dass Mönchspfeffer anfänglich verweigert wird. Hier können Sie mit ein paar Futtermittel tricksen, die gern gefressen werden. Nach Eingewöhnung wird er meist ohne Schwierigkeiten verspeist.

Seine Wirkung zeigt sich langsam, manchmal erst nach einigen Wochen.

Nicht gefüttert werden darf er während einer Trächtigkeit und wenn Welpen bzw. Fohlen gesäugt werden. Gleiches gilt für Geschwüre bzw. Tumore in der Milchleiste.

Gemäß den Anti-Doping- und Medikamentenkontrollregeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist der Mönchspfeffer rechtzeitig vor einem Turnier abzusetzen.

Was wenn sich keine Wirkung zeigt?

Mönchspfeffer ist immer ein erster Versuch wert betroffene Tiere therapeutisch zu begleiten. Sollte sich aber trotz Fütterung keine Veränderung bemerkbar machen, ist spätestens dann eine grundlegende Suche nach der Ursache notwendig. Neben gynäkologischen Problemen können auch andere organische Krankheiten in Frage kommen. Gleichfalls sollte die Haltung, Bewegung und Fütterung überprüft werden, um diese als Grund auszuschließen.

Gerade bei der Cushing- oder EMS-Erkrankung gilt es Belastungen zu korrigieren und abzustellen. Und auch dann ist der Mönchspfeffer nicht das alleinige Mittel der Wahl. Nur eine ganzheitliche Betrachtung birgt gute Chancen die Lebenssituation verbessern.

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